Mutter-Kind-Beauty-Routine: Vergiss bloß nicht die Butter!

Immer dann, wenn ich mich völlig übermüdet durch Instagram-Accounts von super durchgestylten Mamas kämpfe, frage ich mich wie diese es schaffen auszusehen als wären sie gerade im Beautysalon gewesen. Haben diese Mütter mehr als 30 Minuten am Morgen zur Verfügung? Oder stehen sie vor ihren – durchschlafenden – Kindern auf? Es ist ein Mythos. Man weiß es nicht. Ich weiß es nicht. Aber ich bin wirklich beeindruckt. Denn: Ich kann das nicht. Aber dafür habe ich ja meine eigene Beauty-Routine entwickelt.

Du willst auch so frisch, fit und rosig aussehen wie ich? Na dann! Lege dir Zettel und Stift bereit. Es wird lang. Sehr lang. Männer dürfen auch mitmachen. Ich möchte hier schließlich niemanden diskriminieren. Väter sind ja quasi die neuen Mütter.

 

Der Mutter ihre Beauty-Routine:

Schritt 1: Mutter spritzt sich zwei drei Tropfen Wasser in das Gesicht, um die Augen endlich öffnen zu können. Dann das Baby unbedingt etwas machen lassen, was dir einen Schock versetzt. Denn damit wird aufgrund der einsetzenden Gesichtsentgleisung das komplette Gesicht gestrafft. Hält den gesamten Tag!
Aus Erfahrung kann ich dir für die optimale Gesichtsentgleisung empfehlen, das Ladekabel vom Handy in der Steckdose zu vergessen. Nehmen Babys super gern in den Mund.

Schritt 2: Mutter überlegt, ob es sich lohnt, die Haare zu kämmen. Für Waschen ist fast immer keine Zeit. Wenn kein Besuch vorbeikommt, kannst du ruhig auch jeden zweiten Tag die Haare kämmen. Denn je länger du die Haare nicht kämmst, desto größer wird das Nest und daraus lassen sich richtig stylische Dutts machen. Promise!

Schritt 3: Während ich noch darüber nachdenke eine getönte Tagescreme zu benutzen ist mein Kind schon wieder dabei die Klobürste anfassen und anlecken zu wollen. Vergiss die Tagescreme!

Schritt 4: Gibt es nicht. Das war alles. Fertig. Viel Spaß beim Nachmachen! Und vergiss den frischen Schlüppi nicht!

(Schritt 5: Duschen. Ach so. Ja, das kannst du ruhig auch mal machen, wenn dein Baby gewillt ist in der Wippe sitzend zuzuschauen. Könnte aber auch passieren, dass es die gesamten 60 Sekunden, die du in deine sogenannte Wellness-Dusche investierst, brüllt. Du solltest vorher immer abwägen, wie hoch der Achselduftfaktor gerade ist.)

 

Dem Baby ihm seine Beauty-Routine:

Schritt 1: Möglichst ganz wenig Schlaf! Diesen ominösen Schönheitsschlaf braucht ein Mensch echt erst im Alter. Merke: Ein Baby ist immer schön.

Schritt 2: Mutter versucht Baby eine frische Windel anzulegen. Dem Baby möglichst viele spannende Dinge am Wickeltisch in die Hand drücken damit es ja nicht auf die Idee kommt mit den Händen im ach so spannenden Windelbereich rumzufummeln. Gefummelt wird erst, wenn Mutter es geschafft hat die herrlich duftende Ansammlung ausgeschiedener Lebensmittelreste von dort zu entfernen. Danach: Feel free to touch yourself! (Wir feiern Wickeltischparties übrigens mit Stoffwindeln. Aber dazu komme ich in einem anderen Beitrag.) Windel ran. Schritt 2 abgeschlossen. Puh!

Schritt 3: wird nach dem Anziehen fortgesetzt. Ab an den Frühstücktisch und go für die herrlich schöne Buttermaske. Nichts pflegt die Haut mehr und bringt sie zum glänzen. Die Maske trägt das Baby sich natürlich selbst auf. Wozu auch sonst sollte da Butter auf dem Brot sein?

Schritt 4: Eine Maske will ja auch wieder abgetragen werden. Mit einem warmen, feuchten Waschlappen. Das übernimmt wieder die Mutter. Verzweifelt versucht sie dem Baby über das Gesicht zu streichen. (Versucht das mal, wenn euer Kind so rumhampelt, dass ihr euch fragt, ob es nicht versehentlich gleich mit dem Kopf irgendwo gegenschlägt!)
Et voilà! Da habt ihr ein bildschönes Baby mit einem strahlenden Teint.

 

Selbstverständlich gibt es auch andere Tage, an denen ich mir auch mal etwas für meine Optik gönne. So eine Haarkur zum Beispiel. Aber bloß nicht auf die Idee kommen, es wäre Zeit für eine schöne Fönfrisur. Vergiss es! Meist geschehen solche Großaktionen, wenn mein Mann zu Hause ist oder mein Kind gerade eingeschlafen ist.
Bei Zweitem hetze ich aber meist verschwitzt durch das Badezimmer, in der Hoffnung alles erledigt zu bekommen, bevor der Zwerg wieder aus dem Mittagsschlaf aufwacht. Wir wissen alle, wie deprimierend es ist, wenn du genau dann unterbrochen wirst, während du gerade Mascara aufträgst. Danach hat sich das mit dem atemberaubenden Augenaufschlag nämlich erledigt.

Du kannst ja aber auch einfach nur das Positive darin sehen:

1. ist es total super für das Bankkonto, wenn Mutti so selten zum Schminken kommt. Denn dann kommt sie nicht mehr auf die Idee monatlich irgendwelche Kosmetik-Online-Shops aufgrund von Prozentaktionen leer zu kaufen.

2. lernt dein Mann deine wahre Schönheit sowas von zu schätzen. Vor deinem geschminkten Ich wird er sich nämlich erschrecken, weil er sich fragt, wer da plötzlich in eurem Badezimmer steht. Wer zur Hölle ist diese geschminkte Frau? „Schatz, wo bist du? Da steht eine Fremde in unserem Bad!“

Aber mal im Ernst, ich vermisse dieses stundenlange Bepinsel nur so semi-doll. Natürlich mache ich es total gern. Hallo, schließlich habe ich Brüste! (Wie viel die jetzt mit dem Schmink-Bedürfnis zu tun haben kann ich jetzt nicht so wirklich sagen.) Jedoch weiß ich, dass ich mich auch schon auf die Zeit freue, wenn ich wieder endlos viele Stunden darin investieren kann. I mean: Einmal Pinselfetisch, immer Pinselfetisch. Aber im Augenblick bin ich ganz froh, dass es auf meiner Prioritätenliste nach hinten gerückt ist. Da habe ich endlich mal Zeit mein ungeschminktes Ich lieben zu lernen.

Ich weiß, das spricht jetzt nur die Muttis an, die sonst auch so gern ihrem Pinselfetisch frönten, aber: Gönn dir auch mal eine Auszeit von der bunten Farbe im Gesicht und schenke der natürlichen Mama, die dich da im Spiegel anschaut, Komplimente! Du bist Mama, du hast ein Wunder vollbracht, du bist so schön!
Ich meine, Papas laufen auch oben ohne rum und wir finden sie ästhetisch außerordentlich ansprechend. Hoffe ich zumindest. Sonst wäre das wohl nicht der Vater deines Kindes. Also Mutti, merke dir: Du – bist – rattenscharf!

In diesem Sinne,
möge der Schminkpinsel nur noch ab und an mit dir sein!

Deine Mutter

 

 


Headerfoto: Marie L.